CfP Industrielle Beziehungen

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Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors:

Kontinuität, Wandel und Krise

Gastherausgeber: Andrea Müller und Werner Schmidt

Der öffentliche Sektor ist in etlichen Ländern seit längerer Zeit unter Legitimations-, Kosten- und Konkurrenzdruck geraten. Ausgliederungs- und Privatisierungsprozesse, wachsende Konkurrenz sowie neue Formen der Zusammenarbeit mit privaten Dienstleistungsanbietern kennzeichnen die Entwicklung, aber auch Verwaltungsreformen und Bemühungen um einen Wandel der Personal- und Arbeitspolitik stehen programmatisch meist oben auf der Agenda. Da als wichtige Ursachen des Veränderungsdrucks nicht nur Modernisierungskonzepte, sondern auch Kosten- und Verschuldungsdruck sowie Austeritätspolitik gelten dürfen, hat der Um- und Rückbau des öffentlichen Sektors seit der jüngsten Finanzmarktkrise und deren Fortsetzung als Staatsschulden- und Euro-Krise in etlichen Ländern einen weiteren Schub erhalten. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigungs- und Arbeitspolitik des Arbeitgebers Staat und ruft deshalb auch Reaktionen auf Arbeitnehmer- bzw. Gewerkschaftsseite hervor, die von ohnmächtiger Anpassung bis strategischer Neuorientierung reichen können. Dem Verhalten der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes als den unmittelbar von Spar- und Rückbaupolitiken Betroffenen kommt dabei als den gewissermaßen naturwüchsigen Stakeholdern des öffentlichen Sektors eine wichtige Rolle zu. Da gerade im öffentlichen Sektor die Durchsetzungskraft aller Akteure der Arbeitsbeziehungen stets in einem erheblichen Maße gesellschaftlich vermittelt ist, sind auch Wirkungen auf die Dienstleistungsversorgung (nicht nur im Streikfall) und deren Bewertung durch die Bürgerinnen und Bürger hoch relevant für die Arbeitsbeziehungen.

Das Schwerpunktheft soll sich mit der Entwicklung der Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors in verschiedenen Ländern befassen. Neben Beiträgen, die sich mit einzelnen Ländern beschäftigen, werden insbesondere auch ländervergleichende Beiträge erbeten. Das Heft soll zur Klärung zweier Fragen beitragen: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden sich kurz- und mittelfristig zwischen den Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors verschiedener Länder? Worauf sind ähnliche und abweichende Entwicklungen zurückzuführen und wie sind sie empirisch oder theoretisch zu begründen?

Es werden Manuskripte erbeten, die sich einem oder mehreren der nachstehend genannten Themen widmen:

  • Entwicklung der Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors generell (Akteure, Konflikte, Vereinbarungen, Heterogenität) oder in Teilbereichen (exemplarisch: Kommunalverwaltung, Ministerialverwaltung, Gesundheitswesen, Polizei, etc.)

  • Re-Orientierungen und Kontinuitäten bei den Gewerkschaften und/oder Arbeitgebern als Akteuren der Arbeitsbeziehungen (z.B. oppositionelle oder affirmative Politik von Gewerkschaften, Selbstverständnis des Staates als „Modellarbeitgeber“, Konfliktverhalten, Bürgermobilisierung)

  • Spezifische Aspekte der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen aus einer Perspektive der Arbeitsbeziehungen (z.B. Vergleich gewerkschaftlicher Strategien bei Privatisierungen, Entgelt- und Arbeitszeitpolitik, Tarifpolitik etc.)

  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Entwicklung der Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors und des Privatsektors vor dem Hintergrund von Grenzverschiebungen und von Wechselwirkungen zwischen den Sektoren (bspw. Bündnisse, Konkurrenzen, Relevanz sektoraler und intersektoraler Organisationsformen von Gewerkschaften)

  • Der Einfluss der Politik der Europäischen Kommission und der „Institutionen“ auf die Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors in EU-Mitgliedstaaten

Die Beiträge sind in deutscher oder englischer Sprache einzureichen.

Zeitplan:
15.11.2015 Einreichung eines Abstracts (5 000 Zeichen)
1.1.2016 Mitteilung über die Auswahl der Abstracts
1.7.2016 Frist für die Einreichung der „Full Papers“ für die doppelt-blinde Begutachtung durch zwei FachgutachterInnen
1.11.2016 Rückmeldung anhand der Gutachten
1.3.2017 Erforderlichenfalls Überarbeitung
1.4.2017 Nachbegutachtung
1.6.2017 Erforderlichenfalls erneute Überarbeitung und endgültiger Bescheid
August 2017 Erscheinen des Heftes

Kontakt:
Andrea Müller
Dr. Werner Schmidt
Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur, Universität Tübingen
Haußerstraße 43
D-72076 Tübingen
w.schmidt@uni-tuebingen.de

Abstracts bitte bis zum 15.11.2015 an w.schmidt@uni-tuebingen.de

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