Sozialpartnerschaft – Kollektive und
individuelle Arbeitnehmerinteressen im Betrieb
Gastherausgeber: Jürgen Kädtler (SOFI)
Die Zeitschrift Industrielle Beziehungen ruft dazu
auf, Beiträge für ein Schwerpunktheft zum Thema „Sozialpartnerschaft –
Kollektive und individuelle Arbeitnehmerinteressen im Betrieb“ einzureichen.
Sozialpartnerschaft galt in der wissenschaftlichen wie in der politischen
Debatte als spezifisches Charakteristikum der deutschen Arbeitsbeziehungen,
gleichsam als Inbegriff eines (weiteren) deutschen (bzw. deutschsprachigen)
Sonderweges. In der wissenschaftlichen Debatte wurde damit auf die Tatsache
Bezug genommen, dass die gesellschaftlichen Arbeitsbeziehungen weitestgehend
durch überbetriebliche Kollektivvereinbarungen zwischen Gewerkschaften und
Arbeitgeberverbänden geregelt wurden, im Rahmen eines im Prinzip
kooperativen Systems, das nur von Zeit zu Zeit durch Arbeitskämpfe
exemplarisch neu justiert wurde. Dabei wurde zwar die wechselseitige
Entlastungsfunktion von betrieblichen und überbetrieblichen
Regulierungsinstitutionen als Stärke des dualen Systems industrieller
Beziehungen ausdrücklich identifiziert. Ansonsten blieb aber das
Zusammenspiel zwischen betrieblicher Arbeitspolitik und überbetrieblicher
Regulierung zumindest unterbelichtet:
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dass überbetriebliche Regelungen die
betrieblichen Arbeitsbeziehungen so effektiv regulieren konnten, hing
zum einen ganz wesentlich damit zusammen, dass die unterschiedlichen
Akteure in den Betrieben überwiegend Handlungsorientierungen folgten, in
deren Lichte diese Form der Regulierung als vernünftig und nicht zuletzt
auch ökonomisch sinnvoll erschien;
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zum andern hatte es – als Kehrseite dieses
ersten Aspekts – die Fähigkeit der Verbände zur Voraussetzung, bezogen
auf betriebliche Gegenstände und Inhalte von Regulierung hinreichend
große gemeinsame Nenner zwischen den unterschiedlichen Interessen
zustande zu bringen und ihnen Geltung zu verschaffen.
Die geringe Beachtung dieses Zusammenhangs fand und
findet ihren Ausdruck nicht zuletzt darin, dass es in der deutschen Arbeits-
und Industriesoziologie zwar eine Fülle von Forschungen zu betrieblicher
Arbeit und auf sie bezogenen Interessen einerseits und zu industriellen
Beziehungen andererseits gibt, kaum aber Arbeiten zum Zusammenhang dieser
beiden Bereiche.
Verbetrieblichung der Tarifpolitik, Erosion der Tarifbindung, Armutslöhne
auch im tariflich regulierten Bereich und Mindestlohn-, aber auch die
Demografiedebatte sind nur einige Entwicklungen, die auf die Krise jenes
gesellschaftlichen Regulierungsarrangements verweisen. Das Zusammenspiel
zwischen betrieblicher Arbeitspolitik und gesellschaftlicher Regulierung von
Arbeit kann in seiner vormaligen Form nicht mehr als gegeben unterstellt
werden.
Dafür werden gemeinhin vor allem gesellschaftliche Makrotrends wie
Globalisierung, Liberalisierung, Finanzialisierung, die Erosion
traditioneller Arbeitermilieus usw. verantwortlich gemacht. Zumindest in
gleichem Maße Beachtung verdienen aber auch veränderte
Wirtschaftlichkeitsprinzipien und -kriterien der Unternehmen, veränderte
oder anders gewichtete Arbeitsorientierungen und Anspruchshaltungen von
Beschäftigten, betriebliche Akteurskonstellationen sowie die
Unterschiedlichkeit arbeitspolitischer Handlungsspielräume vor dem
Hintergrund unterschiedlicher Produktmarktbezüge. Dieser Aspekt – der
Einfluss betrieblicher Arbeits- und Interessenbeziehungen und der dabei
wirksamen Handlungsorientierungen auf das System der industriellen
Beziehungen insgesamt – soll im Rahmen des geplanten Schwerpunkthefts
ausgelotet werden.
Beiträge zu diesem Themenkomplex könnten sich u. a.
auf folgende Teilfragestellungen beziehen und dabei in Summe ein möglichst
breites Spektrum unterschiedlicher Branchen- und
Beschäftigtenkonstellationen einbeziehen:
* das Verhältnis von individuellen Autonomieansprüchen und kollektiver
Interessenkonsolidierung bei unterschiedlichen Beschäftigtengruppen,
* Voraussetzungen und Grenzen kollektiver Interessenbestimmung und
-vertretung bei gleicher Arbeit und unterschiedlichen
Beschäftigungsverhältnissen,
* Grundlagen betrieblicher Anerkennungsverhältnisse im Wandel,
* der Zusammenhang von gewerkschaftlichen Repräsentationsstrukturen und
betrieblichen Akteursorientierungen und Praktiken,
* Rekrutierung, Einfluss und Einflussnahme der Ehrenamtlichenebene in
Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften,
* Verbetrieblichung von Tarifpolitik als Auflösung, oder als Neujustierung
der Flächentarifbindung.
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Einreichung von
zweiseitigen Abstracts |
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30.03.2012 |
Auswahl der
Abstracts |
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30.04.2012 |
Frist für die
Einreichung der Full Papers für die Begutachtung |
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30.06.2012 |
Rückmeldung
anhand der Gutachten |
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30.07.2012 |
Ggf.
Überarbeitung |
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30.08.2012 |
Ggf.
Nachbegutachtung und endgültige Entscheidung über die Publikation |
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30.09.2012 |
Ggf. zweite
Überarbeitung |
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15.10.2012 |
Letzter Termin
für akzeptierte Artikel |
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25.10.2012 |
Drucktermin für
das Schwerpunktheft |
Prof. Dr. Jürgen Kädtler, Soziologisches
Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität,
Frriedländer Weg 31, D - 37085 Göttingen
E-mail: juergen.kaedtler@sofi.uni-goettingen.de